Das bin ich.

NICK HOWARD

Nick Howard Pressefoto

"Wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht geglaubt, dass es jemals zu meinem Album "All Or Nothing" kommen würde. Ende letzten Jahres war ich an einem Punkt angelangt, an dem ich tatsächlich dachte, meine Karriere als Künstler sei zu Ende. Ich zerfloss nicht unbedingt im Selbstmitleid, aber ich war innerlich davon überzeugt, meine besten und erfolgreichsten Jahre lägen nun hinter mir. Ich spürte, dass es allmählich ungesund würde, den Jahren des Erfolgs hinterherzujagen, und dass diese Jagd mit der Zeit nicht nur mir schaden würde, sondern auch den Menschen, die mir nahestehen.

 

2015 war ein paradoxes Jahr für mich. Es begann mit der Geburt meiner Tochter – nicht nur der schönste Moment in meinem Leben, sondern auch der Moment, der alles verändern sollte. Musik war nicht mehr nur eine Leidenschaft, mit der ich seit mittlerweile fünf Jahren Karriere machte; ich musste mit ihr nun auch ein kleines, wundervolles Wesen ernähren. Das ist ein großer Unterschied und führte dazu, dass ich mein Leben und meine Karriere als Tour- und Studiokünstler zu überdenken begann – ein Leben, das selbst in Glanzzeiten nichts für schwache Nerven ist.

 

Das Jahr endete für mich auf eine Weise, die von diesem Moment puren Glücks nicht weiter hätte entfernt sein können. Im Oktober verlor meine Mutter ihren Kampf gegen den Krebs. Die Diagnose lag zwar bereits über ein Jahr zurück, doch am Ende passierte alles irgendwie viel zu schnell. Ich glaube, nichts und niemand kann einen auf so etwas wirklich vorbereiten. Zwei Monate später verlor ich dann meinen Vater, der ebenfalls schon lange Zeit krank war. Trotz der Dauer seiner Krankheit und obwohl wir beide uns zum Zeitpunkt seines Todes nicht mehr so nahestanden wie früher (aber das ist noch einmal eine komplett andere Geschichte), erwartet man einfach nicht, beide Eltern so kurz nacheinander zu verlieren. Worte können nicht ausdrücken, wie sehr mich das erschüttert hat.

 

Ich war also an einem Wendepunkt in meinem Leben angelangt. Ich hatte zwei der Menschen verloren, die bei meiner Entscheidung, die Gitarre in die Hand zu nehmen und Songs zu schreiben, eine so wichtige Rolle gespielt hatten. Und ich musste mich nun so gut es ging um meine Tochter kümmern, indem ich für sie da war und ab sofort für mindestens die nächsten zwanzig Jahre finanziell für sie sorgte.

 

Anfang des Jahres geschah dann etwas Merkwürdiges. Ich begann, wieder Musik zu schreiben. Ich weiß, das mag eigentlich selbstverständlich erscheinen, aber ich bin nicht der Typ Musiker, der sich einfach hinsetzt und den ganzen Tag lang einen Song nach dem anderen produziert. Mich müssen Dinge oder Menschen berühren, mir muss etwas im Leben passieren, das es wert ist bzw. das mich förmlich dazu zwingt, einen Song darüber zu schreiben. Wie sich herausstellen sollte, liefern solche Erlebnisse wie Vaterwerden, der Verlust beider Eltern und eine im Raum stehende berufliche Entscheidung, die dein Leben komplett verändern kann, ganz schön viele Denkanstöße.

 

Ich schrieb dabei nicht nur über das Hier und Jetzt, sondern auch über meine Vergangenheit, über alles in meinem Leben, das mich zu diesem Wendepunkt geführt hatte.Die Songs Gone For Good und Out Of My Head handeln davon, wie ich mich vor 15 Jahren verliebte und mir zum ersten Mal das Herz gebrochen wurde. Don’t Wanna Go Home ist ein Song für meine ältesten Freunde, in dem es um den Spaß in unserer Jugend geht (die meisten der Anekdoten habe ich etwas ausgeschmückt :)); das Leben hat es wohl so an sich, dass man mit zunehmendem Alter wehmütiger wird. Carry You ist ein Versprechen an meine wundervolle Frau, die seit zehn Jahren an meiner Seite steht und genauso verantwortlich für meine Erfolge ist wie ich selbst. Mariposa, Borboleta ist eine Reminiszenz an meine Gefühle vor all den Jahren, als wir uns ineinander verliebten.

 

 

Diese Songs und dieses Album sind für mich somit eine Art Tagebuch. Über die Songs konnte ich meine Gefühle, Gedanken und Erinnerungen in eine positive Richtung lenken. So gesehen hatte ich bei diesem Album eigentlich gar keine Wahl – ich musste es einfach tun." Nick Howard

Nick Howard lachend
Nick Howard spielt Fight akustisch
Nick Howard performt Fight den offiziellen ARD Song zur Tour de France 2017 live